LED-Notbeleuchtungssysteme: Der vollständige Vergleich 2026
Notbeleuchtung ist gesetzlich vorgeschrieben und rettet Leben. Sie gewährleistet bei Stromausfall die sichere Evakuierung und ermöglicht das Beenden gefährlicher Tätigkeiten. Drei Systemtypen stehen zur Auswahl: Einzelbatterie, Gruppenbatterie und Zentralbatterie.
⚡ Schnellübersicht: Systemempfehlung
Systemtypen im Überblick
Versorgungskonzepte
Technischer Systemvergleich
| Kriterium | Einzelbatterie | Gruppenbatterie | Zentralbatterie |
|---|---|---|---|
| Spannungsversorgung | 230V AC | 24V DC | 24V / 48V / 216V DC |
| Investition (50 Leuchten) | ~7.500 € | ~9.000 € | ~12.000 € |
| Wartungskosten/Jahr | ~1.500 € | ~800 € | ~400 € |
| Batterielebensdauer | 4-5 Jahre | 5-7 Jahre | 10-15 Jahre |
| TCO über 10 Jahre | ~22.500 € | ~17.000 € | ~16.000 € |
| Überwachung | Manuell vor Ort | Teilautomatisch | Vollautomatisch |
| Redundanz / Ausfallsicherheit | Sehr hoch | Mittel (Gruppenausfall) | Gering (SPOF) |
| Verkabelung | Standard 230V | DC funktionssicher | DC funktionssicher |
| Typische Anwendung | Kleine Objekte, Nachrüstung | Mittlere Gebäude | Große Gebäude, Industrie |
Normative Anforderungen
| Norm | Titel | Wichtige Anforderungen |
|---|---|---|
| DIN EN 1838 | Notbeleuchtung | • Min. 1 Lux Fluchtweg • Gleichmäßigkeit max. 40:1 • 50% in 5s, 100% in 60s |
| DIN EN 50172 | Sicherheitsbeleuchtungsanlagen | • Planung, Installation, Betrieb • Prüfintervalle (wöch./jährlich) • Dokumentationspflichten |
| VDE 0108-100 | Sicherheitsbeleuchtung (DE) | • Prüfbuch erforderlich • Selbsttestende Systeme • Batterieüberwachung |
| ASR A2.3 | Fluchtwege und Notausgänge | • Arbeitsstättenrecht • Beleuchtete Rettungszeichen • Gefährdungsbeurteilung |
DIN EN 1838 Lichttechnische Anforderungen
- • Fluchtweg: Min. 1 Lux auf der Mittellinie
- • Antipanik: Min. 0,5 Lux auf Bodenniveau
- • Gleichmäßigkeit: Max. 40:1 (Emax:Emin)
- • Hochrisiko: Min. 15 Lux am Arbeitsplatz
- • Aktivierung: 50% in 5 Sekunden
- • Betriebsdauer: Min. 60 Minuten
DIN EN 50172 Prüfpflichten
- • Täglich: Funktionskontrolle (automatisch)
- • Wöchentlich: 25% Kurztest
- • Monatlich: Sichtprüfung aller Leuchten
- • Jährlich: Volltest (100% Dauer)
- • Dokumentation: Prüfbuch führen
- • Aufbewahrung: 4 Jahre
Prüfpflichten nach VDE 0108-100
| Prüfung | Intervall | Beschreibung | System |
|---|---|---|---|
| Funktionsprüfung | Täglich | Automatische Systemkontrolle | Zentral (auto) |
| Kurztest | Wöchentlich | 25% der Nennbetriebsdauer (15 min bei 60 min) | Alle |
| Sichtprüfung | Monatlich | Alle Leuchten, Rettungszeichen, Statusanzeigen | Alle |
| Volltest (Dauertest) | Jährlich | Volle Nennbetriebsdauer (60 / 180 min) | Alle |
Berechnungsbeispiel: TCO über 10 Jahre
Beispiel: Bürogebäude mit 80 Notleuchten
Einzelbatterie
- Leuchten: 80 × 150 € = 12.000 €
- Batteriewechsel (2×): 4.800 €
- Wartung: 10 × 2.000 € = 20.000 €
- TCO: 36.800 €
Gruppenbatterie
- Leuchten: 80 × 80 € = 6.400 €
- Batterien (4 Gruppen): 4.000 €
- Batteriewechsel (1×): 2.000 €
- Wartung: 10 × 1.000 € = 10.000 €
- TCO: 22.400 €
Zentralbatterie ✓
- Leuchten: 80 × 60 € = 4.800 €
- Zentralanlage: 8.000 €
- Batteriewechsel: 0 € (15 Jahre)
- Wartung: 10 × 500 € = 5.000 €
- TCO: 17.800 €
Ergebnis: Bei 80 Leuchten spart das Zentralsystem über 10 Jahre ca. 19.000 € (52%) gegenüber Einzelbatterien.
Auswahlhilfe: Das richtige System finden
🔋 Einzelbatterie wählen, wenn:
- • Kleine Objekte mit bis zu 20 Leuchten
- • Nachrüstung in bestehenden Gebäuden
- • Geringe Investition gewünscht
- • Hohe Redundanz erforderlich (jede Leuchte unabhängig)
⚡ Gruppenbatterie wählen, wenn:
- • Mittlere Gebäude mit 20-50 Leuchten
- • Gute Balance aus Kosten und Wartung gewünscht
- • DC-Verkabelung möglich (Neuinstallation)
- • Teilautomatische Überwachung ausreichend
🏢 Zentralbatterie wählen, wenn:
- • Große Gebäude mit 50+ Leuchten
- • Facility Management vorhanden
- • Automatische Überwachung und Protokollierung gewünscht
- • Langfristige TCO-Optimierung im Fokus
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Zentralbatterie?
Bei Einzelbatteriesystemen hat jede Leuchte eine integrierte Batterie (230V AC). Bei Zentralbatteriesystemen versorgt eine zentrale Anlage alle Leuchten mit DC-Spannung (24V/48V). Zentralsysteme haben höhere Investition, aber geringere Wartungskosten.
Wie lange muss Notbeleuchtung funktionieren?
Nach DIN EN 1838 mindestens 60 Minuten für Rettungswegbeleuchtung. Bei erhöhter Gefährdung oder langer Evakuierungszeit können 180 Minuten erforderlich sein. Die Mindestleuchtdauer wird im Sicherheitskonzept festgelegt.
Wie oft muss Notbeleuchtung geprüft werden?
Wöchentlich: 25% Kurztest. Monatlich: Funktionsprüfung. Jährlich: 100% Dauertest (volle Nennbetriebsdauer). Bei Zentralsystemen erfolgt die Prüfung automatisch, bei Einzelbatterien manuell vor Ort.
Was kostet ein Zentralbatteriesystem?
Die Zentralanlage kostet ca. 5.000-15.000 € je nach Größe. Die Leuchten sind günstiger (50-100 €) da ohne Batterie. Über 10 Jahre ist ein Zentralsystem bei >30 Leuchten oft wirtschaftlicher (TCO).
Welche Beleuchtungsstärke ist für Fluchtwege vorgeschrieben?
Nach DIN EN 1838: Mindestens 1 Lux auf der Mittellinie des Fluchtwegs (bis 2m Breite). Die Gleichmäßigkeit darf max. 40:1 betragen. Antipanik-Bereiche benötigen 0,5 Lux auf Bodenniveau.
Was bedeutet Dauerschaltung vs. Bereitschaftsschaltung?
Dauerschaltung: Leuchte brennt permanent (auch bei Netzspannung). Bereitschaftsschaltung: Leuchte schaltet nur bei Stromausfall ein. Dauerschaltung wird bei Räumen mit wechselnder Belegung empfohlen.
Wie schnell muss Notbeleuchtung einschalten?
Nach DIN EN 1838 muss 50% der geforderten Beleuchtungsstärke innerhalb von 5 Sekunden erreicht werden. 100% müssen nach 60 Sekunden bereitstehen. Bei Hochrisikobereichen gelten strengere Anforderungen.
Welche Batterieart ist für Notbeleuchtung geeignet?
NiCd (Nickel-Cadmium) für Einzelbatterien mit hoher Zyklenfestigkeit. Für Zentralsysteme werden Blei-Gel oder LiFePO4 (Lithium) verwendet. LiFePO4 bietet längere Lebensdauer (10-15 Jahre) bei geringerem Gewicht.