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Seniorenheim Beleuchtung – Altersgerechtes Licht planen
Normgerechte Beleuchtung für Pflegeheime: Sturzprävention, Blendfreiheit, Human Centric Lighting für Wohlbefinden und Sicherheit
Warum ist altersgerechte Beleuchtung so wichtig?
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Sehvermögen erheblich: Die Pupille wird kleiner, die Linse trübt ein, und die Lichtempfindlichkeit nimmt ab. Ein 70-Jähriger benötigt etwa 2-3× mehr Licht als ein 20-Jähriger, um dieselbe Sehleistung zu erreichen. Gleichzeitig steigt die Blendempfindlichkeit.
- • Sturzprävention: Gute Beleuchtung reduziert Sturzrisiko um bis zu 40%
- • Orientierung: Klare Kontraste helfen bei Demenz und Sehschwäche
- • Wohlbefinden: Human Centric Lighting stabilisiert Tag-Nacht-Rhythmus
- • Pflegequalität: Ausreichendes Licht für Pflegekräfte (Medikamentengabe, Wundversorgung)
- • Rechtssicherheit: Erfüllung von DIN EN 12464-1 und Heimaufsicht-Anforderungen
Schnellstart: Seniorenheim-Beleuchtung in 3 Schritten
② Blendfreiheit sichern
UGR: ≤ 19 (besser 16)
Technik: Indirekt/Diffus
Reflexe: Matte Oberflächen
Praxis-Beispiel: 20-Zimmer-Wohnbereich
① Lux-Bedarf Zimmer: 300 lx (erhöhter Bedarf Senioren)
② Blendfreie LED-Panels: 40W, 4000 lm, UGR<19
③ Farbtemperatur: 3000K (warmweiß, beruhigend)
Kosten: ca. 400€/Zimmer | Einsparung: 60% vs. Leuchtstoffröhren | ROI: 2-3 Jahre
Schritt 1: Beleuchtungsanforderungen nach DIN
Lux-Werte für Senioreneinrichtungen
| Bereich | Ēm (Lux) | UGR max. | Ra min. | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Bewohnerzimmer (allgemein) | 200 | 19 | 80 | 2700-3000K warmweiß |
| Bewohnerzimmer (Lesebereich) | 500 | 19 | 80 | Zusätzliche Leseleuchte |
| Flure und Treppen | 150 | 22 | 80 | Stufen markieren! |
| Gemeinschaftsräume | 300 | 19 | 80 | Dimmbar empfohlen |
| Speisesaal | 200 | 22 | 80 | Blendfreie Tischbeleuchtung |
| Therapie-/Behandlungsräume | 500 | 16 | 90 | 4000K neutralweiß |
| Pflegebäder | 300 | 19 | 80 | IP44 mindestens |
| Nachtorientierung (Flure) | 5-20 | - | - | Automatisch bei Bewegung |
| Demenzbereiche | 300-500 | 16 | 90 | HCL empfohlen |
Legende:
- • Ēm: Mittlere Beleuchtungsstärke auf der Nutzebene
- • UGR: Unified Glare Rating (Blendungsbegrenzung)
- • Ra: Farbwiedergabeindex (min. 80, besser 90)
Wichtig: Erhöhter Lichtbedarf im Alter!
Die DIN-Werte sind Mindestwerte. Für Senioren empfehlen Experten oft das 1,5-2-facheder Standardwerte. Bei 200 Lux Norm also 300-400 Lux planen. Gleichzeitig: Blendfreiheit ist kritisch – niedriger UGR-Wert wichtiger als bei jüngeren Nutzern.
Schritt 2: Blendfreie Beleuchtung gestalten
Blendschutz-Techniken
Indirekte Beleuchtung
- • Licht wird an Decke/Wand reflektiert
- • Keine direkte Sicht auf Lichtquelle
- • Weiche, gleichmäßige Ausleuchtung
- • Ideal für Flure und Gemeinschaftsräume
- • Nachteil: 20-30% weniger effizient
Mikroprismenoptik
- • Spezielle Abdeckungen streuen Licht
- • UGR < 19 bei direkter Beleuchtung möglich
- • Hohe Effizienz trotz Blendschutz
- • Ideal für LED-Panels in Zimmern
- • Etwas teurer als Standard
Tief-/Breitstrahler vermeiden
- • Keine Downlights mit engem Abstrahlwinkel
- • Keine freiliegenden LED-Spots
- • Keine klaren Abdeckungen
- • Keine Leuchten im direkten Sichtfeld vom Bett
Reflexe minimieren
- • Matte Wand- und Deckenfarben
- • Keine glänzenden Böden
- • Fenster mit Blendschutz
- • Bildschirme/Spiegel positionieren
Bewohnerzimmer: Beleuchtungskonzept
Beleuchtungskonzept Bewohnerzimmer:
- • Decke: Indirekte oder Mikroprismenleuchte, 200-300 Lux, UGR < 19
- • Bett-/Lesebereich: Separate Leseleuchte 500 Lux, schwenkbar, dimmbar
- • Sessel: Stehleuchte mit Lesearm, 500 Lux am Buch
- • Nacht: Bodennahes Orientierungslicht 5-10 Lux, Bewegungsgesteuert
- • Farbtemperatur: 2700-3000K (warmweiß), CRI ≥ 80
Schritt 3: Human Centric Lighting (HCL)
Human Centric Lighting passt Lichtfarbe und -intensität dem natürlichen Tagesrhythmus an. Dies ist besonders wichtig für Senioren und Demenzpatienten, da ihr circadianer Rhythmus oft gestört ist (Schlafprobleme, nächtliche Unruhe).
Tagesverlauf der Beleuchtung
| Tageszeit | Farbtemperatur | Lux-Level | Wirkung |
|---|---|---|---|
| 6:00-9:00 Morgens | 5500-6500K (kaltweiß) | 400-500 lx | Aktivierung, Wachheit fördern |
| 9:00-17:00 Tag | 4000-5000K (neutralweiß) | 300-400 lx | Konzentration, Aktivität |
| 17:00-20:00 Abend | 2700-3000K (warmweiß) | 200-300 lx | Entspannung, Melatoninproduktion |
| 20:00-6:00 Nacht | 2200-2700K (sehr warm) | 5-50 lx | Schlafförderung, Orientierung |
Vorteile HCL in Pflegeheimen
- • Besserer Schlaf: Stabilerer Tag-Nacht-Rhythmus
- • Weniger Medikamente: Reduktion von Schlafmitteln
- • Weniger Unruhe: Besonders bei Demenz (Sundowning)
- • Höhere Aktivität: Mehr Teilnahme am Tagesprogramm
- • Bessere Stimmung: Weniger Depressionen
Technische Umsetzung
- • Tunable White LEDs: Farbtemperatur 2700-6500K
- • DALI-Steuerung: Automatische Anpassung
- • Lichtsensoren: Tageslicht-Einbeziehung
- • Zeitprogramme: Individuelle Profile möglich
- • Mehrkosten: ca. 30-50% mehr als Standard
Besondere Anforderungen Demenzbereich:
- • Höhere Lux-Werte: 300-500 Lux Grundbeleuchtung (vs. 200 Lux Standard)
- • Extreme Blendfreiheit: UGR < 16 (Verwirrung durch Blendung vermeiden)
- • Starke Kontraste: Türen, Toiletten, Handläufe farblich abheben
- • Keine Schatten: Können als Hindernisse wahrgenommen werden
- • Keine Spiegelungen: Können Angst auslösen (eigenes Spiegelbild nicht erkannt)
- • HCL höchst empfohlen: Stabilisiert circadianen Rhythmus, reduziert Sundowning
Häufige Fragen zu Seniorenheim-Beleuchtung
Warum brauchen Senioren mehr Licht?
Mit zunehmendem Alter lässt die Lichtdurchlässigkeit der Augenlinse nach: Ein 60-Jähriger benötigt etwa 2× mehr Licht als ein 20-Jähriger, ein 80-Jähriger sogar 3×. Gleichzeitig steigt die Blendempfindlichkeit. Daher: Höhere Beleuchtungsstärken (200-500 Lux statt 100-300 Lux), aber indirekt und blendfrei.
Welche Lux-Werte gelten für Pflegeheime?
Nach DIN EN 12464-1: Bewohnerzimmer 200-300 Lux (Lesebereich 500 Lux), Flure 150-200 Lux, Gemeinschaftsräume 300 Lux, Therapieräume 500 Lux, Pflegebäder 300 Lux, Nachts 5-20 Lux Orientierungslicht.
Was kostet LED-Modernisierung im Pflegeheim?
Richtwerte: Bewohnerzimmer 300-500€ (Grundbeleuchtung + Leseleuchte), Flure 150-250€ pro 10m, Gemeinschaftsräume 40-60€/m². Gesamtkosten 50-Betten-Heim: 50.000-80.000€. Einsparung: 50-70% Energie, ROI 2-4 Jahre. KfW-Fördermittel möglich.
Wie verhindert gute Beleuchtung Stürze?
Sturzprävention durch: Gleichmäßige Ausleuchtung ohne Schlagschatten, Kontrastverstärkung an Stufen und Türschwellen, Nachtorientierungsbeleuchtung (automatisch bei Bewegung), keine abrupten Hell-Dunkel-Übergänge, gut beleuchtete Handläufe.
Zusammenfassung
Kernpunkte:
- • Mehr Licht: 200-500 Lux, 1,5-2× höher als Standard
- • Blendfrei: UGR ≤ 19, indirekte Beleuchtung
- • Warmweiß: 2700-3000K für Wohnbereiche
- • Nachtorientierung: 5-20 Lux, bewegungsgesteuert
- • HCL: Dynamische Farbtemperatur über den Tag
Nächste Schritte:
- • Lux-Bedarf berechnen
- • HCL-Systeme kennenlernen
- • Barrierefreie Beleuchtung planen
- • Angebote von LED-Fachleuten einholen
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