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Büro-Lichtplanung & Ergonomie nach DIN EN 12464-1
Ergonomische Bürobeleuchtung professionell planen - Schritt-für-Schritt Anleitung mit DIN-Normen, ASR A3.4, UGR-Blendung und Praxistipps
Warum ist gute Bürobeleuchtung wichtig?
Eine professionelle Büro-Lichtplanung nach DIN EN 12464-1 und ASR A3.4 ist entscheidend für:
- • Produktivität: Bis zu 20% höhere Leistung bei optimaler Beleuchtung
- • Gesundheit: Weniger Kopfschmerzen, Augenermüdung und Konzentrationsprobleme
- • Sicherheit: Geringeres Unfallrisiko, weniger Fehler
- • Energieeffizienz: 50-70% Einsparung durch LED + Lichtsteuerung
- • Rechtssicherheit: Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen (ArbStättV)
Schritt 1: Anforderungen nach DIN EN 12464-1 & ASR A3.4 ermitteln
Beleuchtungsstärke-Anforderungen (Ēm)
| Büro-Tätigkeit / Bereich | Ēm (Lux) | UGR max | Ra min | U₀ min |
|---|---|---|---|---|
| Ablage, Kopieren, Archiv | 300 | 22 | 80 | 0,60 |
| Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung | 500 | 19 | 80 | 0,60 |
| Technisches Zeichnen | 750 | 16 | 80 | 0,70 |
| CAD-Arbeitsplätze | 500 | 16 | 80 | 0,60 |
| Konferenzräume, Besprechung | 500 | 19 | 80 | 0,60 |
| Empfang, Rezeption | 300 | 22 | 80 | 0,60 |
| Flure, Verkehrswege | 100 | 28 | 40 | 0,40 |
Legende:
- • Ēm: Mittlere Beleuchtungsstärke (auf der Sehaufgabenfläche)
- • UGR: Unified Glare Rating - Direktblendung (je niedriger, desto besser)
- • Ra: Farbwiedergabeindex (100 = perfekt)
- • U₀: Gleichmäßigkeit (Verhältnis min/mittel, mind. 0,60)
Wichtig:
Die 500 Lux gelten für die Sehaufgabenfläche (z.B. Schreibtisch). Die Umgebungsbeleuchtung sollte mindestens 300 Lux betragen (Verhältnis 3:5). Berechnen Sie den genauen Bedarf mit unserem Raumbeleuchtung-Rechner.
UGR-Blendungsbegrenzung verstehen
Der UGR-Wert (Unified Glare Rating) bewertet die Direktblendung durch Leuchten. Bei Bildschirmarbeitsplätzen gilt UGR ≤ 19:
• UGR < 16 (Exzellent)
Für hochpräzise Tätigkeiten wie technisches Zeichnen, CAD-Arbeit, Grafik-Design. Minimale Ermüdung, maximaler Sehkomfort.
• UGR ≤ 19 (Standard)
Für normale Büroarbeit mit Bildschirmen. Gesetzliche Mindestanforderung nach ASR A3.4. Geeignet für 90% aller Büroarbeitsplätze.
⚠ UGR = 22 (Grenzwertig)
Nur für einfache Tätigkeiten ohne Bildschirm (Ablage, Archiv). Nicht für konzentrierte Arbeit empfohlen.
• UGR > 22 (Unzulässig)
Nicht normkonform für Arbeitsstätten. Führt zu Kopfschmerzen, Ermüdung, erhöhtem Fehlerrisiko. Nachrüstung erforderlich!
Reflexblendung vermeiden
Neben Direktblendung (UGR) ist Reflexblendung auf Bildschirmen kritisch:
Fenster
Bildschirm im 90° Winkel zu Fenstern positionieren (parallel zur Fensterfront)
Leuchten
Leuchten seitlich versetzt zum Bildschirm, nicht direkt darüber
Bildschirm
Matte Oberfläche bevorzugen, Neigung anpassen (100-110 cm Augenhöhe)
Reflexionsgrade nach ASR A3.4
Die Raumoberflächen beeinflussen Lichtverteilung und Effizienz erheblich:
| Oberfläche | Empfohlener Reflexionsgrad | Effekt |
|---|---|---|
| Decke | 0,7 - 0,9 (70-90%) | Helle Farben (weiß, cremeweiß) reflektieren Licht, erhöhen Helligkeit |
| Wände | 0,5 - 0,8 (50-80%) | Helle Wandfarben verbessern Gleichmäßigkeit, reduzieren Leuchtenanzahl |
| Arbeitsflächen | 0,2 - 0,6 (20-60%) | Mittelton vermeidet Blendung durch zu helle Tischplatten |
| Boden | 0,2 - 0,4 (20-40%) | Helle Böden erhöhen Effizienz, dunkle Böden wirken edel |
Prüfen Sie den UGR-Wert mit unserem UGR-Rechneroder lesen Sie mehr in Gleichmäßigkeit & Blendung erklärt.
Schritt 2: Leuchtenauswahl für Büros
Empfohlene Leuchtentypen
LED-Rasterleuchten 60×60cm
- • UGR < 19: Optimal für Bildschirmarbeitsplätze
- • Lichtstrom: 3000-4500 lm
- • Leistung: 30-45W
- • Einbau: In Rasterdecken 600×600mm
- • Was ist Lumen?
LED-Pendelleuchten
- • Direkt/Indirekt: 60% nach unten, 40% nach oben
- • UGR < 19: Mit Rasteroptik oder Diffusor
- • Montage: Über Schreibtischreihen
- • Design: Modern, hochwertig
- • Siehe: LED-Optik Design
Farbtemperatur wählen
Die richtige Farbtemperatur beeinflusst Konzentration und Wohlbefinden:
- • 3000K (Warmweiß): Gemütlich, für Pausenräume, Lounges - Was ist Kelvin?
- • 4000K (Neutralweiß): ⭐ Empfohlen für Büros - fördert Konzentration ohne zu kühl zu wirken
- • 5000-6500K (Tageslichtweiß): Sehr aktivierend, für technische Arbeitsplätze
Profi-Tipp:
Moderne Human Centric Lighting (HCL) Systeme passen die Farbtemperatur automatisch an die Tageszeit an: Morgens kühler (Aktivierung), abends wärmer (Entspannung). Mehr dazu: Circadiane Beleuchtung
Schritt 3: Leuchtenanordnung planen
Grundregeln für Büros
Parallel zur Fensterfront
Leuchtenreihen parallel zu Fenstern anordnen, um Blendung durch Tageslicht zu vermeiden. Querstellung führt zu störenden Reflexionen auf Bildschirmen.
Seitlich zu Bildschirmen
Leuchten seitlich zu Bildschirmen positionieren, nicht frontal oder von hinten. Dies minimiert Spiegelungen. Details: Blendung vermeiden
Gleichmäßiger Abstand
Leuchtenabstand maximal 1,5× Raumhöhe (bei 2,7m Höhe: max. 4m Abstand). Nutzen Sie unseren Lampenabstand-Rechnerfür präzise Berechnung.
Wandabstand beachten
Wandabstand = 0,5× Leuchtenabstand (z.B. bei 3m Abstand zwischen Leuchten: 1,5m von der Wand).
Visualisierung: Büro-Grundriss mit optimaler Leuchtenanordnung
Beispiel: Großraumbüro 12m × 8m
Berechnung:
- • Raumhöhe: 2,7m → Max. Leuchtenabstand: 4m
- • Gewählter Abstand: 3m (sicher unter Maximum)
- • Anzahl Länge: 12m / 3m = 4 Leuchtenreihen
- • Anzahl Breite: 8m / 3m = 3 Leuchten pro Reihe (aufgerundet)
- • Gesamt: 4 × 3 = 12 Leuchten (z.B. Rasterleuchten 60×60cm)
- • Wandabstand: 1,5m von allen Wänden
Prüfen Sie Ihre Planung mit: Raumbeleuchtung-Rechner |Lampenabstand-Rechner
Schritt 4: Lichtsteuerung & Energieeffizienz
Energieeinsparpotenzial durch intelligente Lichtsteuerung
Moderne Lichtmanagementsysteme kombinieren mehrere Strategien für maximale Effizienz:
30-50% Einsparung
Tageslichtsteuerung
20-40% Einsparung
Präsenzmelder
Bis 70% gesamt
LED + Steuerung kombiniert
Tageslichtsteuerung (Konstantlichtregelung)
Prinzip: Lichtsensoren messen die aktuelle Beleuchtungsstärke und dimmen künstliches Licht automatisch, um konstant 500 Lux auf dem Arbeitsplatz zu halten.
Visualisierung: Tageslichtsteuerung im Tagesverlauf
- • Lichtsensor: Misst kontinuierlich die Beleuchtungsstärke (Tageslicht + Kunstlicht)
- • Automatische Dimmung: Bei hellem Tageslicht wird Kunstlicht auf 10-30% reduziert
- • Fensternahe Zone: Bis 5m Fensterabstand höchste Einsparung (bis 50%)
- • Rauminnere: Auch dort 20-30% Einsparung durch diffuses Tageslicht
- • ROI: Amortisation typisch nach 3-5 Jahren
Präsenzmelder (Bewegungserkennung)
Prinzip: Infrarot- oder HF-Sensoren erkennen Anwesenheit und schalten/dimmen Licht automatisch.
PIR-Präsenzmelder (Infrarot)
- • Erfasst Bewegung durch Wärmestrahlung
- • Reichweite: bis 12m Durchmesser
- • Ideal für Einzelbüros, Besprechungsräume
- • Günstig: ab 30-80€ pro Sensor
- • Nachlaufzeit einstellbar: 10-30 Min
HF-Präsenzmelder (Hochfrequenz)
- • Erfasst kleinste Bewegungen (Tippen)
- • Auch hinter Trennwänden wirksam
- • Ideal für Großraumbüros, Openspace
- • Teurer: ab 80-150€ pro Sensor
- • Höhere Empfindlichkeit, weniger Fehlabschaltungen
DALI-Lichtsteuerung (Profi-System)
DALI (Digital Addressable Lighting Interface)ist der Standard für professionelle Bürobeleuchtung ab 50m²:
| Funktion | Vorteil | Einsatzgebiet |
|---|---|---|
| Einzelansteuerung | Jede Leuchte individuell dimmbar (0-100%) | Fensternahe Bereiche stärker dimmen |
| Lichtszenen | Szenen speichern: "Fokus", "Meeting", "Präsentation" | Konferenzräume, flexible Büros |
| Verbrauchsmonitoring | Echtzeit-Verbrauchsdaten, Energieberichte | Energiemanagement, CO₂-Reporting |
| Wartungsplanung | Leuchten melden Defekte, Betriebsstunden | Proaktive Wartung, Ausfallvermeidung |
| Integration | Anbindung an Gebäudeautomation (KNX, BACnet) | Smart Buildings, komplexe Immobilien |
Mehr zu intelligenter Steuerung: Smart-Home-Beleuchtung | KNX-Gebäudeautomation
Schritt 5: Ergonomie & Gesundheit
Biologische Wirkung von Licht (Human Centric Lighting)
Modernes Human Centric Lighting (HCL) berücksichtigt die nicht-visuelle Wirkung von Licht auf den menschlichen Biorhythmus:
| Tageszeit | Farbtemperatur | Beleuchtungsstärke | Biologische Wirkung |
|---|---|---|---|
| Morgens (6-9 Uhr) | 5000-6500K | 500-750 Lux | Aktivierung, Unterdrückung von Melatonin, Weckeffekt |
| Mittags (9-15 Uhr) | 4000K | 500 Lux | Konzentration, maximale Leistungsfähigkeit |
| Nachmittags (15-18 Uhr) | 3500-4000K | 300-500 Lux | Entspannung, Vorbereitung auf Feierabend |
| Abends (nach 18 Uhr) | 2700-3000K | 100-300 Lux | Melatoninproduktion, Schlafvorbereitung |
Praxis-Tipp: HCL im Büro
Moderne HCL-Systeme passen Farbtemperatur und Helligkeit automatisch an die Tageszeit an:
- • Morgens: Kühles, helles Licht (6000K) für schnelleren Wachheitseffekt
- • Mittags: Neutralweißes Licht (4000K) für konzentriertes Arbeiten
- • Abends: Warmweißes, gedimmtes Licht (3000K) für besseren Schlaf
- • Effekt: Bis zu 25% höhere Produktivität, weniger Müdigkeit, besserer Schlaf
Gesundheitliche Auswirkungen schlechter Beleuchtung
Zu wenig Licht (< 300 Lux)
- • Augenermüdung, brennende Augen
- • Kopfschmerzen, Migräne
- • Konzentrationsschwäche
- • Erhöhtes Fehlerrisiko (bis 30%)
- • Depression, schlechte Stimmung
Zu viel Blendung (UGR > 22)
- • Starke Augenbelastung
- • Dauerkopfschmerzen
- • Nackenverspannungen (Fehlhaltung)
- • Stress, Reizbarkeit
- • Langfristig: Sehschwäche
Falsche Farbtemperatur
- • Zu kalt (6500K): Unruhe, Stress
- • Zu warm (2700K): Müdigkeit, Schläfrigkeit
- • Fehlende Tageslicht-Dynamik: Biorhythmus-Störung
- • Schlechter Schlaf, Melatonin-Mangel
- • Saisonale Depression (SAD)
• Optimale Beleuchtung
- • 500 Lux, UGR ≤ 19, Ra ≥ 80
- • 4000K Neutralweiß (oder HCL)
- • Gleichmäßige Verteilung (U₀ ≥ 0,6)
- • Tageslichtintegration
- • Ergebnis: Gesund, produktiv, motiviert
Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
Bildschirm
- • Höhe: Oberkante auf Augenhöhe
- • Abstand: 50-70 cm
- • Neigung: 10-20° nach hinten
- • Position: Parallel zu Fenstern
- • Matte Oberfläche bevorzugen
Beleuchtung
- • 500 Lux auf Schreibtisch
- • Leuchten seitlich versetzt
- • UGR ≤ 19 (Blendfreiheit)
- • 4000K Neutralweiß
- • Zusätzliche Schreibtischlampe
🪑 Sitzposition
- • Blick: 90° zu Fenstern
- • Keine Lichtquellen im Rücken
- • Stuhl: Verstellbar, ergonomisch
- • Pausen: Alle 50-60 Min
- • Blickwechsel in die Ferne
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Nur auf Lux-Wert achten
Problem: 500 Lux mit UGR 28 sind schlechter als 450 Lux mit UGR 16! Blendung verursacht trotz ausreichender Helligkeit Kopfschmerzen.
Lösung: Immer UGR prüfen - UGR-Rechner nutzen
Fehler 2: Leuchten direkt über Bildschirm
Problem: Spiegelungen auf Bildschirm, Blendung.
Lösung: Leuchten seitlich versetzt, parallel zum Bildschirm. Details: Blendung vermeiden
Fehler 3: Zu kalte Farbtemperatur
Problem: 6500K wirkt zu kühl, unpersönlich, unangenehm.
Lösung: 4000K Neutralweiß als Standard -Farbtemperatur-Guide
Fehler 4: Keine Lichtsteuerung
Problem: Energieverschwendung, keine Anpassung an Tageslicht.
Lösung: Mindestens Präsenzmelder + Tageslichtsteuerung investieren. ROI meist <3 Jahre. Mehr: Energiesparen mit LED
Checkliste: Büro-Lichtplanung
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