LS-Schalter Charakteristik B, C, D — Unterschied & Auswahl
Zusammenfassung
Die Auslösecharakteristik eines Leitungsschutzschalters (LS-Schalter) bestimmt, bei welchem Vielfachen des Nennstroms er sofort auslöst: B = 3–5× In (Haushalt), C = 5–10× In (Motoren), D = 10–20× In (Schwerlast). Der Buchstabe steht auf dem Schalter vor dem Ampere-Wert (z. B. „B16").
Was ist ein Leitungsschutzschalter?
Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter), umgangssprachlich „Sicherungsautomat", schützt die Leitung vor Überhitzung durch zu hohen Strom. Er hat zwei Auslösemechanismen:
Thermische Auslösung
- Reagiert auf dauerhafte Überlast
- Bimetallstreifen erwärmt sich langsam
- Auslösezeit: Sekunden bis Minuten
- Schützt vor langsamer Überhitzung
Magnetische Auslösung
- Reagiert auf Kurzschluss
- Elektromagnet zieht sofort an
- Auslösezeit: Millisekunden
- Schützt vor Kurzschlussströmen
Die Charakteristik (B, C, D) bestimmt nur die magnetische Sofortauslösung — also ab welchem Vielfachen des Nennstroms der Schalter sofort (in Millisekunden) abschaltet.
Vergleich: B, C und D Charakteristik
| Eigenschaft | Typ B | Typ C | Typ D |
|---|---|---|---|
| Magnetische Auslösung | 3–5× In | 5–10× In | 10–20× In |
| Bei B16 löst aus ab | 48–80 A | 80–160 A | 160–320 A |
| Empfindlichkeit | Hoch (schnell) | Mittel | Niedrig (träge) |
| Einsatzbereich | Haushalt, Licht, Steckdosen | Motoren, Werkzeuge, Klimaanlagen | Transformatoren, Schwerlast |
| Norm | DIN EN 60898-1 (VDE 0641-11) | ||
Wann verwende ich B, C oder D?
Typ B — Standard für den Haushalt
95% aller Haushaltsstromkreise verwenden Typ B.
- Lichtstromkreise
- Steckdosen (allgemein)
- Küchengeräte (Herd, Spülmaschine, Waschmaschine)
- Warmwasserspeicher, Durchlauferhitzer
- IT-Geräte (Computer, Server)
Typ C — Wenn Einschaltströme auftreten
Für Verbraucher mit hohem Anlaufstrom (5–10× des Nennstroms).
- Elektromotoren (Kompressor, Pumpe, Lüfter)
- Klimaanlagen und Wärmepumpen
- Leuchtstoffröhren (mit KVG-Vorschaltgeräte)
- Große Transformatoren
- Gewerbe und leichte Industrie
Typ D — Schwerlast / Industrieanlagen
Nur für Verbraucher mit extremem Einschaltstrom (10–20× In).
- Schweißgeräte
- Große Drehstrommotoren (Direktanlauf)
- Röntgengeräte
- Kapazitive Lasten (große Kondensatorbänke)
- Selten im Haushalt — nur Fachpersonal
Praxisbeispiel: Warum löst mein B16 ständig aus?
Problem: Der B16 LS-Schalter fliegt immer raus, wenn die Klimaanlage startet — aber die Anlage zieht nur 8A im Normalbetrieb.
Ursache: Der Kompressormotor hat einen Anlaufstrom von ca.50A für 0,2 Sekunden (≈ 6× des Nennstroms). Ein B16 löst ab 48A sofort aus!
Lösung: Wechsel auf C16 — dieser verträgt Kurzzeit-Ströme bis 80A und löst erst ab 80A sofort aus. Der Leitungsschutz bleibt erhalten (die thermische Auslösung ist identisch).
Häufige Fragen
Kann ich einen C-Schalter im Haushalt verwenden?
Technisch ja — der Leitungsschutz (thermisch) ist identisch. Aber der Kurzschlussschutz ist schwächer: Bei einem Kurzschluss mit „nur" 60A würde der B16 sofort auslösen, der C16 nicht. Im Haushalt ist Typ B der Standard.
Was bedeutet B16, C16 und D16?
Der Buchstabe (B, C, D) gibt die magnetische Auslösecharakteristik an. Die Zahl (16) gibt den Nennstrom in Ampere an. B16 = Typ B mit 16A Nennstrom. Alle B16, C16 und D16 haben denselben thermischen Überlastschutz — nur die Kurzschlussempfindlichkeit unterscheidet sich.
Was ist der Unterschied zwischen LS-Schalter und FI-Schalter?
LS-Schalter schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. FI-Schalter (RCD) schützt Personen vor Stromschlag. Beides zusammen als „FI/LS-Kombination" ist der aktuelle Standard. Mehr dazu im FI-Schutzschalter-Guide.