Gleichmäßigkeit der Beleuchtung (U0)
Alle Gleichmäßigkeitswerte (U0) nach DIN EN 12464-1. Verstehen Sie, warum gleichmäßige Beleuchtung genauso wichtig ist wie die richtige Beleuchtungsstärke.
Was ist Gleichmäßigkeit (U0)?
Definition
Die Gleichmäßigkeit U0 beschreibt das Verhältnis der minimalen zur mittleren Beleuchtungsstärke in einem Bereich:
U0 = Emin / Em
Emin = Minimale Beleuchtungsstärke | Em = Mittlere Beleuchtungsstärke
• Beispiel: Gute Gleichmäßigkeit
Em (Durchschnitt) = 500 lx
Emin (Dunkelste Stelle) = 350 lx
U0 = 350 / 500 = 0,70 •
Bewertung: Sehr gut! Nur 30% Helligkeitsunterschied.
• Beispiel: Schlechte Gleichmäßigkeit
Em (Durchschnitt) = 500 lx
Emin (Dunkelste Stelle) = 100 lx
U0 = 100 / 500 = 0,20 •
Bewertung: Schlecht! 80% Helligkeitsunterschied, sehr ermüdend.
Warum ist U0 wichtig?
- • Augenanpassung: Ständige Adaptation zwischen hell und dunkel ermüdet
- • Sehleistung: In dunklen Bereichen sinkt die Erkennbarkeit
- • Wohlbefinden: Ungleichmäßiges Licht wird als unangenehm empfunden
- • Sicherheit: Stolperfallen in dunklen Bereichen
- • Qualität: Fehler werden in dunklen Zonen übersehen
U0-Werte nach DIN EN 12464-1
| Kategorie | Arbeitsplatz | U0 Minimum | U0 Empfohlen | Hinweise | Norm |
|---|---|---|---|---|---|
| Büros | Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung | 0.60 | 0.70 | Hohe Anforderung wegen Bildschirmarbeit | DIN EN 12464-1 |
| Büros | Technisches Zeichnen | 0.70 | 0.80 | Sehr hohe Anforderung wegen Detailarbeit | DIN EN 12464-1 |
| Büros | Konferenzräume | 0.60 | 0.70 | Gleichmäßiges Licht für alle Teilnehmer | DIN EN 12464-1 |
| Industrie | Grobe Montagearbeiten | 0.40 | 0.50 | Standardanforderung | DIN EN 12464-1 |
| Industrie | Mittlere Montagearbeiten | 0.60 | 0.70 | Erhöhte Anforderung | DIN EN 12464-1 |
| Industrie | Feine Montagearbeiten | 0.70 | 0.80 | Hohe Gleichmäßigkeit erforderlich | DIN EN 12464-1 |
| Industrie | Qualitätskontrolle | 0.70 | 0.80 | Sehr wichtig für Fehlererkennung | DIN EN 12464-1 |
| Handel | Verkaufsräume | 0.40 | 0.60 | Akzentbeleuchtung möglich | DIN EN 12464-1 |
| Handel | Kassenzone | 0.60 | 0.70 | Wichtig für Geldprüfung | DIN EN 12464-1 |
| Gesundheit | Untersuchungsräume | 0.60 | 0.70 | Diagnostische Genauigkeit | DIN EN 12464-1 |
| Gesundheit | Operationsräume | 0.70 | 0.80 | Höchste Anforderungen | DIN EN 12464-1 |
| Bildung | Klassenzimmer | 0.60 | 0.70 | Wichtig für alle Schüler | DIN EN 12464-1 |
| Bildung | Hörsäle | 0.60 | 0.70 | Auch hinten ausreichend hell | DIN EN 12464-1 |
| Verkehrswege | Flure, Treppen | 0.40 | 0.50 | Sicherheitsrelevant | DIN EN 12464-1 |
| Lager | Hochregallager | 0.40 | 0.50 | Ausreichend für Orientierung | DIN EN 12464-1 |
⭐ U0-Qualitätsstufen
Ungenügend
Nicht akzeptabel
Beschreibung: Starke Helligkeitsunterschiede, ermüdend
Typisch für: Nur Einzelleuchten ohne Planung
Mangelhaft
Verbesserung nötig
Beschreibung: Deutliche Helligkeitssprünge erkennbar
Typisch für: Zu große Leuchtenabstände
Ausreichend
• Minimal akzeptabel
Beschreibung: Mindestanforderung für einfache Tätigkeiten
Typisch für: Lager, Verkehrswege, grobe Arbeiten
Gut
•• Empfohlen
Beschreibung: Standard für Büros und mittlere Tätigkeiten
Typisch für: Büros, Schulen, Einzelhandel
Sehr gut
••• Sehr gut
Beschreibung: Hohe Gleichmäßigkeit, sehr angenehm
Typisch für: Feinarbeiten, OP-Räume, Labore
Hervorragend
⭐ Exzellent
Beschreibung: Kaum wahrnehmbare Helligkeitsunterschiede
Typisch für: Spezielle Anwendungen, Museen
U0 berechnen - Schritt für Schritt
Schritt 1: Messpunkte festlegen
Nach DIN EN 12464-1:
- • Raster: Messpunkte in gleichmäßigem Abstand (z.B. 1m × 1m)
- • Höhe: 0,75 m über Boden (Schreibtischhöhe)
- • Anzahl: Mindestens 9 Messpunkte (3×3 Raster)
- • Bereich: Nur die Nutzfläche, nicht bis zur Wand
Schritt 2: Beleuchtungsstärke messen
Messung mit Luxmeter
- • Sensor waagerecht ausrichten
- • Eigenen Schatten vermeiden
- • Nach Stabilisierung ablesen
- • Alle Messpunkte notieren
Beispiel-Messwerte (Lux)
Schritt 3: U0 berechnen
Minimaler Wert (Emin)
450 lx
Mittlerer Wert (Em)
500 lx
(450+520+480+490+550+510+470+530+500) / 9
Gleichmäßigkeit (U0)
0,90
450 / 500 = 0,90
• Ergebnis: Hervorragende Gleichmäßigkeit!
Deutlich über dem Minimum von 0,40 und Empfehlung von 0,60
U0 verbessern - Praktische Tipps
• Maßnahmen zur Verbesserung
- 1. Mehr Leuchten:
Kleinere Abstände zwischen Leuchten
- 2. Bessere Verteilung:
Leuchten gleichmäßig anordnen
- 3. Breitstrahlende Leuchten:
Größerer Abstrahlwinkel (z.B. 120° statt 60°)
- 4. Indirekte Beleuchtung:
Licht über Decke reflektieren
- 5. Helle Oberflächen:
Weiße Decken/Wände reflektieren besser
- 6. Niedrigere Montagehöhe:
Bei Pendelleuchten Höhe anpassen
• Häufige Fehler
- Zu wenige Leuchten:
Große dunkle Bereiche zwischen Leuchten
- Nur Einzelleuchten:
Keine Überlappung der Lichtkegel
- Zu enge Abstrahlwinkel:
Spotlights statt Flächenbeleuchtung
- Schmutzige Leuchten:
Ungleichmäßiger Lichtstrom
- Unterschiedliche Leuchtmittel:
Verschiedene Helligkeiten/Alter
- Falsche Positionierung:
Unsymmetrische Anordnung
Planungsempfehlungen für gute Gleichmäßigkeit
Leuchtenabstand berechnen
Faustformel für gleichmäßige Beleuchtung:
Leuchtenabstand ≤ 1,5 × Montagehöhe
Beispiel 1: Büro
Deckenhöhe: 2,70 m
Montagehöhe über Tisch: 2,0 m
Max. Abstand: 3,0 m
Beispiel 2: Halle
Deckenhöhe: 6,0 m
Montagehöhe über Boden: 5,0 m
Max. Abstand: 7,5 m
U0 vs. UGR - Unterschied verstehen
U0 - Gleichmäßigkeit
Was wird gemessen? Verhältnis von dunkelster zu durchschnittlicher Stelle
Ziel: Gleichmäßige Helligkeitsverteilung im Raum
Werte: 0,0 bis 1,0 (höher = besser)
Minimum: U0 ≥ 0,40 (Standard), 0,60 (Büro), 0,70 (Feinarbeit)
UGR - Blendung
Was wird gemessen? Psychologische Blendwirkung von Leuchten
Ziel: Blendfreies, angenehmes Licht
Werte: 10 bis 30 (niedriger = besser)
Maximum: UGR ≤ 28 (Lager), 19 (Büro), 16 (Feinarbeit)
Wichtig: Beide Werte müssen eingehalten werden! Eine hohe Beleuchtungsstärke allein reicht nicht - sie muss gleichmäßig verteilt und blendfrei sein.
Gleichmäßigkeit automatisch berechnen
Nutzen Sie unseren Rechner für optimale Leuchtenverteilung:
Zum Gleichmäßigkeits-Rechner →